"Snuff"- oder "Happy Slapping"-Videos: Hinter diesen verharmlosenden Begriffen verbergen sich verschiedene Arten von Gewaltvideos, die sich immer häufiger ihren Weg auf Handys von Schülern bahnen.
Jede Sequenz ist meistens schon erschreckend genug - der gesamte Film, der oft nur wenige Sekunden dauert, ist sehr brutal. Dargestellt werden darin Körperverletzungen und Tötungshandlungen oder auch Vergewaltigungen bis hin zu grausamen Hinrichtungen. Das Thema verunsichert zunehmend viele Eltern und Pädagogen. Das neue Merkblatt der Polizei informiert über das Phänomen und gibt Eltern, Lehrern sowie anderen Erziehungsverantwortlichen wichtige Vorbeugungstipps. Weitere umfassende Informationen gibt es im Internet unter www.polizei-beratung.de. Hier kann auch das Merkblatt heruntergeladen werden.
Über 90 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen verfügen heute über ein eigenes Handy. Fast drei von fünf Jugendlichen besitzen ein Mobiltelefon mit multimedialen Funktionen, wie z.B. einer integrierten Kamera. Diese neuen Nutzungsmöglichkeiten bieten nicht nur neue Chancen der Kommunikation, sondern bergen in zunehmendem Maße auch Kriminalitätsrisiken. Insbesondere Videoaufzeichnungen von Gewalt- und Tötungshandlungen, so genannte "Snuff"- und "Happy Slapping"-Videos, gelangen immer häufiger aus dem Internet auf Handys von Kindern und Jugendlichen und werden als Multimedianachricht oder so genannte Bluetooth-Übertragung "getauscht" (Bluetooth wird zur kabellosen Datenübertragung zwischen elektronischen Geräten wie Computern, digitalen Kameras, Mobiltelefonen mit einer maximalen Reichweite von zirka zehn Metern verwendet).
Als "Happy Slapping" (englisch für "Fröhliches Schlagen") wird ein grundloser Angriff auf meist unbekannte Personen bezeichnet. Jugendliche greifen, oftmals in der Überzahl, willkürlich Passanten an und filmen ihre Gewalttaten mit der integrierten Kamera des Handys - in der Absicht, diese Videos später im Internet zu verbreiten, per Kurzmitteilung (MMS) oder über Buetooth zu versenden. Neben den "Happy-Slapping"-Videos versenden die Jugendlichen auch Filme und Bilder mit pornographischem Inhalt sowie reale und nachgestellte Demütigungen, Vergewaltigungen, Sodomie-Szenen, brutale Morde und Hinrichtungen. Diese Bilder und Videos werden meist als "Snuff"-Videos bezeichnet (englisch "to snuff out" = jemanden auslöschen). "Snuff"-Videos stammen in der Regel aus dem Internet. Sie werden zunächst auf dem heimischen PC heruntergeladen und
schließlich auf Handys geschickt. Ausgetauscht werden die Bilder und Videos per MMS, Bluetooth bzw. Infrarot-Schnittstellen.
Häufig besteht bei den jugendlichen Nutzern gar kein Unrechtsbewusstsein. Viele Jugendliche ab 14 Jahren wissen nicht, dass sie sich strafbar machen, wenn sie Videos und Bilder mit pornografischen oder gewaltverherrlichenden Inhalten Personen unter 18 Jahren zugänglich machen.
Neu ist, dass sich die bisher aus dem Internet bekannten Gefährdungen auf die Handys verlagern und damit die Kontrolle der Inhalte beispielsweise für Eltern und Lehrer kaum möglich ist. Hinzu kommt, dass Eltern und Lehrer oft von der Existenz solcher Videos und Bilder nichts wissen. Die Polizei hat daher unter www.polizei-beratung.de eine Aufklärungskampagne gestartet, die gezielt Erziehungsverantwortliche über das Phänomen informiert und wertvolle Tipps gibt, wie damit umgegangen werden kann.
Die wichtigsten Tipps lauten:
- Machen Sie sich mit den Funktionen moderner Handygeräte vertraut
- speziell mit der Datenübertragung per Bluetooth- oder Infrarot-Schnittstelle.
- Prüfen Sie, welches Handy für Ihr Kind geeignet ist und welche Funktionen wirklich sinnvoll sind.
- Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die sinnvolle Nutzung es Handys, thematisieren Sie mögliche Gefahren und schalten Sie diese zum Beispiel dadurch aus, dass die Bluetooth-Funktion grundsätzlich abgeschaltet und nur bei Bedarf aktiviert wird.
- Vereinbaren Sie unter Einbindung der Eltern- und Schülervertreter klare Regeln über die Nutzung von Handys an Ihrer Schule. Prüfen Sie die Vereinbarkeit dieser Regeln mit dem jeweiligen Schulgesetz Ihres Bundeslandes.
- Sensibilisieren Sie Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Medienerziehung über die Auswirkungen und Folgen dargestellter Handynutzung sowie über mögliche Straftatbestände (§ 131 StGB) und die daraus resultierenden Konsequenzen für den Einzelnen.
- Gehen Sie konsequent gegen entsprechende Verstöße gegen die Schul- und Hausordnung vor und wenden Sie ggf. schulrechtliche Maßnahmen an.
- Informieren Sie die Polizei, wenn der Verdacht einer Straftat vorliegt.
Weitere hilfreiche Tipps zum Thema finden Sie im Internet unter
www.handywissen.info (für Eltern und Fachkräfte) sowie unter
www.handysektor.de (für Jugendliche).
ots Originaltext: Polizei Braunschweig
Digitale Pressemappe:
http://www.polizeipresse.de/p_story.htx?firmaid=11554
Rückfragen bitte an:
Polizei Braunschweig
PD Braunschweig, Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0531/476-1004 /- 1041 /-1042
Fax: 0531/476-3035
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