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Eigenverantwortliche Schule

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Alles für bessere Noten
Nach dem Pisa-Schock will Niedersachsen jetzt die "Eigenverantwortliche Schule" einführen. Direktoren und Eltern bekommen dadurch mehr Rechte.
Die Klassenzimmer sind verwaist, die Lehrerzimmer auch. Die Schüler sind am Baggersee oder im Zeltlager, die Lehrer in der Toskana oder in Irland. Während der Sommerferien liegen Niedersachsens Schulen im Dornröschenschlaf. Eine Ruhe vor dem Sturm. Denn vor wenigen Tagen verabschiedete der Landtag in Hannover ein Gesetz, das das Schulwesen in dem Bundesland revolutionieren wird und Vorreitercharakter für andere Länder haben kann.
Es geht um die sogenannte "Eigenverantwortliche Schule", die ab dem Sommer 2007 flächendeckend in Niedersachsen eingeführt wird. Gegenüber dem bisherigen System sollen die Rechte von Eltern, Schülern und Direktoren gestärkt werden und Schulen mehr Eigenständigkeit gewährt bekommen. Künftig wird ein interner "Vorstand" entscheiden, wie die Schule geführt wird. Dieses je nach Schulgröße zwischen 8 und 16 Personen starke Gremium setzt sich zur Hälfte aus den Lehrern und zu jeweils einem Viertel aus Elternvertretern und Schülern zusammen. Der Vorstand entscheidet über das Budget und die Stundentafel, aber auch darüber, ab wieviel Grad Außentemperatur es hitzefrei gibt. Kommt es bei einer Abstimmung zum Patt, gibt die Stimme des Direktors den Ausschlag.
Die Position der Schulleiter wird durch das Gesetz deutlich gestärkt. Der Direktor wird künftig Dienstvorgesetzter des gesamten Personals. Er darf sogar einzelne Lehrer befördern. Über deren Einstellung oder Versetzung entscheiden aber nach wie vor die Schulämter. "Ein Hauptanlaß für die Reform waren die schlechten Ergebnisse der Pisa-Studie. Wir wußten danach, daß etwas geändert werden muß", sagt Heiner Hoffmeister, der im niedersächsischen Kultusministerium das Büro von Minister Bernd Busemann (CDU) leitet. Zuvor hatte Hoffmeister in der Arbeitsgruppe mitgearbeitet, die die Reform vorbereiten sollte.
Zwar genießen die Schulen künftig mehr Eigenständigkeit. Bis zu 50 behördliche Erlasse sollen abgeschafft werden. Das Land behalte jedoch seine Gestaltungs-, Ergebnis- und Ressourcenverantwortung, sagt Hoffmeister. So werde der Unterricht weiterhin auf der Grundlage staatlicher Lehrpläne erteilt. Zudem müssen die Schulen über die Qualität der Abschlüsse regelmäßig Rechenschaft ablegen. Außerdem wird eine Schulinspektion eingeführt. Zweierteams besuchen die Schulen und sehen dort nach dem Rechten. "Wir wollen den Schulen die Möglichkeit geben, auf eigenem Weg vorgegebene Ziele zu erreichen", sagt Hoffmeister.
Eine ebenso ehrgeizige wie umstrittene Reform. Zwar stimmten im Landtag neben den Regierungsfraktionen von CDU und FDP auch die Grünen für das neue Gesetz. Kritik gibt es dennoch genug, vor allem von der GEW. Die Lehrergewerkschaft sieht in der Reform einen "Bruch mit demokratischen Traditionen". Die Direktoren erhielten zuviel Macht, würden aber auch mit zusätzlicher Verwaltungsarbeit überlastet. Zudem wird eine Ökonomisierung der Schule moniert, auch weil die Bertelsmann-Stiftung das Projekt unterstützend begleitet. Ob die "Eigenverantwortliche Schule" ein Erfolg wird, muß die Praxis zeigen. Friedemann Sittig

Quelle: Welt am Sonntag, 30.07.06

 

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