Schuldezernent: Hohe Schülerzahlen und Gebäudestruktur sprechen gegen Standort Heidberg Braunschweigs vierte Integrierte Gesamtschule soll im Schulzentrum Volkmarode eingerichtet werden. Sie wird dort ab dem Schuljahr 2009/2010 fünfzügig geführt. Dies ist der Vorschlag, den die Verwaltung den Ratsgremien heute vorgelegt hat. Abschließend entscheidet der Rat in einer Sondersitzung am 29. Januar. Die Einrichtung der IGS erfordert Umbauten und Sanierungsmaßnahmen in Höhe von 17,5 Millionen Euro. Dazu gehört auch der Bau einer Einfeldsporthalle. Weitere Konsequenz der Planungen: Die Hauptschule und die Realschule am Schulzentrum Volkmarode laufen ab dem kommenden Schuljahr jahrgangsweise aus.
„Volkmarode ist der am besten geeignete Standort für die neue Gesamtschule“, erläuterte Schuldezernent Wolfgang Laczny. „Der Eingriff in den laufenden Schulbetrieb, also insbesondere die Aufhebung von Haupt- und Realschule, ist dort am ehesten vertretbar.“ Die Realschule Volkmarode sei die kleinste im Stadtgebiet, die Hauptschule die viertkleinste. Die Schülerzahlen seien rückläufig. Zudem hätten bereits jetzt etwa 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums einen Schulweg von mehr als zwei Kilometern und damit keinen engeren örtlichen Bezug zur Schule. Schulvorstand, Lehrer-, Eltern- und Schülervertretungen der Hauptschule hätten die Errichtung der 4. IGS an ihrem Standort begrüßt. Der Schulvorstand der Realschule fordere dagegen den Erhalt der Schule.
Bei der Suche nach einem geeigneten Standort habe die Verwaltung zahlreiche Optionen geprüft. Dabei war aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Fünfzügigkeit in den Klassen 5 bis 10 und der Dreizügigkeit in der Oberstufe von einem Bedarf an 39 Unterrichtsräumen und mindestens 20 Fachräumen auszugehen. Die beiden Schulstandorte, die die geringsten Umbau- und Erweiterungskosten benötigen würden, seien Volkmarode und Heidberg.
„Dabei sprach die kompakte Bauweise in Volkmarode eindeutig für diesen Standort“, so Laczny. „So können die einzelnen Jahrgänge mit ihren Lehrerstationen gut in die Gebäudebereiche eingefügt werden. Das passt hervorragend zum pädagogischen Konzept einer Gesamtschule.“ Im Schulzentrum Heidberg sei aufgrund des Gebäudezuschnitts und der getrennten Gebäudeteile dies deutlich schlechter möglich. Zudem sei am Heidberg noch keine Barrierefreiheit gegeben.
Wichtigstes Argument gegen den Schulstandort Heidberg sei aber dessen große Beliebtheit der Haupt- und Realschule. Es handele sich um die zweitgrößte Hauptschule und die größte Realschule im Stadtgebiet. Die Schülerzahlen sind beständig auf hohem Niveau. Der Rat habe bei seinem Auftrag an die Verwaltung aber festgelegt, dass Standorte mit rückläufiger Schülerzahl stärker berücksichtigt werden sollten. Laczny: „Vor diesem Hintergrund halte ich es nicht für vertretbar, die Realschule und die Hauptschule Heidberg aufzulösen. Das wäre ein zu schwerwiegender Eingriff.“
Der Stadtbezirksrat Heidberg-Melverode hätte sich ebenso wie die Schulen selbst dagegen ausgesprochen. Für ihn wiege dieses Argument schwer, daher sei aus seiner Sicht auch vertretbar, die 4. IGS im Schulzentrum Volkmarode zu errichten, obwohl die Umbau- und Sanierungskosten am Heidberg mit 14,65 Millionen Euro niedriger liegen würden. Außerdem würde mit dem Neubau einer Sporthalle in Volkmarode das stadtweit bestehende Sporthallendefizit weiter abgebaut. Auch das Ergebnis der Elternbefragung sei kein Votum für den Heidberg. Zwar sei ein Bedarf im Süden erkennbar, allerdings nicht maßgeblich höher als in anderen Stadtgebieten.
Laczny führte weiter aus, dass der Wegfall der Realschule Volkmarode die Kapazitäten der anderen Realschulen weniger stark belaste als im Falle einer Auflösung der Realschule im Heidberg, da dort die Schülerzahlen höher sind. Im Falle einer Auflösung der Realschule am Heidberg gebe es dann im Stadtgebiet kaum noch freie Kapazitäten.
Derzeit sind finanzielle Mittel in Höhe von 15,2 Millionen Euro im Haushaltsplan 2009 und im Investitionsprogramm 2008 bis 2012 für die 4. IGS vorgesehen. Mit den geplanten 500.000 Euro für 2009 könnte die Schule in Volkmarode an den Start gehen. 2010 sind 3,6 Millionen vorgesehen, es folgen 5 Millionen 2011, 2,2 Millionen ab 2012, 3,9 Millionen ab 2013. Die Investitionen sollen die Gebäude aus den 60/70-er Jahren technisch und energetisch auf den neuesten Stand bringen. So wird der Reparaturaufwand verringert und die Heizkosten um 20 bis 30 Prozent gesenkt. Da die Schule jahrgangsweise wächst, können Erweiterungen für die Oberstufe und der Bau der Sporthalle in späteren Bauabschnitten vorgenommen werden.
Die endgültigen Kosten können erst kalkuliert werden, wenn die Landeschulbehörde Anfang Februar der Errichtung der IGS zugestimmt hat und ein pädagogisches Konzept durch das Gründungskollegium vorliegt. Erst dann ergibt sich der genaue Raumbedarf. Es wird dann auch geklärt, ob die Baumaßnahmen als PPP-Projekt umgesetzt werden.
Die Vorlage wird nun im Schulausschuss am 23. Januar, am 27. im Verwaltungsausschuss und am 29. abschließend im Rat diskutiert. Die Sondersitzung des Rates wird nötig, weil der Landesschulbehörde spätestens zum 1. Februar der Antrag der Stadt für die Errichtung der IGS vorliegen muss.
Quelle: Stadt Braunschweig - Pressestelle www.stadtelternrat.de




