Braunschweiger Schülerinnen und Schüler wollen zeitgleich mit vielen anderen Städten in Braunschweig für eine bessere Bildung demonstrieren. Dazu fällt den Erwachsenen nichts besseres ein als miteinander über den Sinn dieser Demonstration und deren Zeitpunkt zu streiten.
- Frau Mundlos (Landtagsabgeordnete CDU) warnt den Stadtelternrat sich nicht vor den Karren einer linksradikalen Organisation spannen zu lassen.
- Herr Kuert als Vorsitzender des "Aktionsbündnis gegliedertes Schulwesen" wirft dem Stadtelternrat vor, die Interessen der von ihm vertretenen Eltern zu missachten
- Die Presse berichtet über den geplanten Streik und interviewt viele Personen, nur die Organisatoren vom AK Schulstreik kommen bisher nicht zu Wort.
- Die Landesschulbehörde empfiehlt den Schulleitern, ihren Schülerinnen und Schülern die Teilname am Streik nicht zu gestatten.
- Einige Schulleiter verweigern eine Beurlaubung und drohen bereits jetzt mit 0 Punkten bei versäumten Klassenarbeiten ohne Möglichkeit einer Ersatzleistung. Bei verbotswidriger Streikteilnahme wird der Tag als unentschuldigtes Fehlen im Zeugnis bewertet.
Die Versuche unsere Schülererinnen und Schüler zu verunsichern und ihnen ihr Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu beschneiden, dürfen wir Eltern nicht unwidersprochen hinnehmen. Eltern sollten ihren Kindern den Rücken stärken und gemeinsam mit ihnen für eine bessere Bildung auf die Straße gehen.
Auch nach den teils ungeheuerlichen Versuchen die Arbeit des Stadtelternrats in der Öffentlichkeit zu beschädigen, hat der Stadtelternrat an seiner Unterstützung des AK Schulstreik nicht zu korrigieren. Wir unterstützen auch weiterhin uneingeschränkt die Forderungen unserer Kindern nach:
- Wirklich kostenfreie Bildung für Alle
- Kleinere Klassen und optimale Unterrichtsversorgung
- Zeit für Bildung statt Leistungsdruck
- Mehr Demokratie und Mitsprache
Insbesondere der letzte Punkt gewinnt durch die bisherige Reaktion von Politik und Schule an Gewicht.
In einem offenen Brief nimmt die Vorsitzende des Stadtelternrats zur Schülerdemonstration Stellung und fordert Schülerinnen und Schüler, sowie deren Eltern zur zahlreichen Teilnahme an der Demonstration auf.
Braunschweig, 01.11.2008
Offener Brief zur Schülerdemonstration am 12. November 2008
Der Stadtelternrat Braunschweig weiß sehr genau, mit wem und wofür die SchülerInnen auf die Straße gehen. Eltern nehmen ihr natürliches Recht wahr, mit und für ihre Kinder eine Reform des deutschen Bildungssystems einzufordern.
Die Bildung unserer Kinder ist Deutschlands Zukunft. Wir brauchen die nächste hochqualifizierte Generation, um auch in Zukunft im internationalen Vergleich mithalten zu können. Dafür müssen Voraussetzungen geschaffen werden, die es ermöglichen, Schule zu einem vernünftigen Lern- und Lebensort zu gestalten.
Allen SchülerInnen müssen gleiche Chancen eingeräumt werden. Unter anderem heißt das auch, nicht nach sozialer Herkunft auszusortieren. Mehr offene Ganztagschulen mit einer gesunden Mittagsverpflegung einzurichten. Lernmittelfreiheit einzuführen, um die Familien zu entlasten. Mehr LehrerInnen und pädagogisches Personal einzustellen, damit die Klassen kleiner werden und kein junger Mensch ohne Schulabschluss in die Perspektivlosigkeit entlassen werden muss. Zeitgemäße kostenlose Fortbildungen für die Kollegien müssen Standard sein. Die Schulleitungen müssen entlastet werden.
Schule ist ein Miteinander aller Beteiligten.
Eltern haben die Bildungsarbeit genauso zu begleiten, wie SchülerInnen einen Anspruch auf ordentlichen Unterricht haben und nicht durch die Schule gepeitscht werden.
Dem Elternwillen entsprechend, soll jedes Kind die Schulform besuchen können, die zu ihm passt. Dass in der Vergangenheit in Braunschweig so vielen Bewerbern um einen Gesamtschulplatz eine Absage erteilt werden musste, ist sehr bedauerlich. Bedauerlich ist auch, dass die Hauptschule in Verruf geraten ist. An Braunschweiger Hauptschulen wird, wie an allen anderen Schulen auch, trotz widriger Bedingungen, hervorragende Arbeit geleistet. Sie könnte perfekt sein, wenn den guten Vorsätzen und Versprechen Taten folgen würden und endlich, alles was nötig ist. in die Bildung investiert wird.
Der Unterschriftensammlung, die von Braunschweiger Eltern durchgeführt wurde, für die Volksinitiative zur Verbesserung der Unterrichtsqualität, fehlten am Ende ca. 1.000 von 70.000 Unterschriften, damit sich das Parlament in Hannover mit den oben genannten Verbesserungsvorschlägen auseinandersetzen muss.
Das hat unter anderem dazu geführt, dass wir diese bundesweite Aktion in Braunschweig unterstützen. Die Schüler sind 13 bis 18 Jahre alt. Wem sollen sie vertrauen können, wenn nicht den Eltern.
Vielleicht hätten Frau Mundlos und Herr Kuert wie Erwachsene erst einmal mit uns sprechen sollen, bevor sie sich öffentlich lächerlich machen.
Die Demonstration wird stattfinden! Unsere Kinder brauchen keine Angst zu haben.
Wann werden die Politiker endlich den Karren aus dem Dreck ziehen?
Mit freundlichen Grüßen
Regina de Rose




