Bundesweit einmaliges Projekt kommt durch Spenden zustande.
Fonds finanziert Schulmaterial für 8000 arme Kinder – 800 000 Euro stehen zur Verfügung.
Es geht um Stifte, Arbeitshefte, Pinsel, Tuschkästen und auch Turnzeug. Im Rahmen eines bundesweit einmaligen Projektes sollen 8000 Braunschweiger Kinder aus armen Familien für das nächste Schuljahr Materialien im Wert von je 100 Euro erhalten. Möglich wird das durch den Schulkostenfonds. 800 000 Euro stehen bereit. Die Summe wurde, wie Ursula Hellert, Sprecherin des Netzwerkes Schulkostenfonds erklärt, durch private Spender und die Stadt Braunschweig aufgebracht. 400 000 Euro stellte der Braunschweiger Unternehmer Friedrich Knapp zur Verfügung. Diesen Betrag stockte die Stadt um 330 000 Euro auf.
Dank an den Unternehmer Friedrich Knapp
Der städtische Beitrag resultiere aus dem Verkauf eines Grundstücks an Knapp, das zum Park Rimpaus Garten gehörte, berichtete Sozialdezernent Ulrich Markurth. Der Unternehmer habe die Preisvorstellungen der Stadt unter der Bedingung akzeptiert, den größten Teil des Erlöses von 338 000 Euro für den Schulkostenfonds zu verwenden. Markurth: "Ohne die Großzügigkeit von Knapp wären die 800 000 Euro nicht zusammengekommen."
Jetzt kann die Hilfsaktion für arme Kinder anlaufen. In einem ersten Schritt informiert das Netzwerk Schulkostenfonds heute die Schulleiter von mehr als 80 Braunschweiger Schulen. Die Eltern aller Braunschweiger Schüler werden in Kürze in einem Elternbrief über das Angebot des Schulkostenfonds aufgeklärt. Er wird, wie Regina de Rose vom Stadtelternrat berichtete, auch in türkischer und russischer Übersetzung verteilt. Bis zum Ende des Schuljahres folgen zwei weitere Elternbriefe. Parallel zum Zeitpunkt des Antrags zur Befreiung der Kosten der Schulbuchausleihe werden die Eltern dann gebeten, in den Schulsekretariaten ihre Berechtigung durch Kopien von Leistungen wie Hartz IV, Sozialhilfe, Wohngeld und Kindergeldzuschlag (u. a.) vorzulegen.
Alle Schulen sollen bis zu den Sommerferien für jede Schulklasse den genauen Bedarf an Schulmaterialien festlegen und benennen, welche vom Schulkostenfonds übernommen werden sollen. Der Einkauf, so Ursula Hellert, erfolge in Braunschweiger Geschäften. Die Verteilung des Unterrichtsmaterials übernimmt die Bürgerstiftung. Für diesen Höhepunkt des logistischen Kraftaktes sind bis zu 200 Schulpaten notwendig. "Wer Interesse hat, meldet sich bitte bei uns", sagt Stiftungsvorstand Ulrich Deissner.
Bund ist bei Hartz IV weiter in der Pflicht
"Wir sind froh und erleichtert, dass der Schulkostenfonds für dieses Jahr zur Verfügung steht", erklärte Norbert Velten vom Diakonischen Werk (DW). Aufgrund der Not vieler Familien, die Mitarbeiter des DW z.B. in Beratungssituationen erfahren hätten, sei das DW in die Offensive gegangen. "Es ist eine erfolgreiche Initiative, weil es gelungen ist, im Sinne von bürgerschaftlichem Engagement viele Verantwortliche zusammenzuführen."Wie Velten verwies auch der Sozialdezernent erneut nachdrücklich auf die Zuständigkeit des Bundes. "Der Schulkostenfonds ist eine einmalige Übergangshilfe, denn der Bund ist weiter in der Pflicht, künftig Schulmaterialien bei der Bemessung der Hartz-IV-Regelleistung zu berücksichtigen." Durch diesen offensichtlichen Fehler im System dürfe Kindern die Teilhabe am Bildungssystem nicht erschwert werden.
Quelle:
Braunschweiger Zeitung, 02.04.2008 von Bettina Habermann
http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2048/artid/8226396




